Eine vage Vorstellung von Perfektionismus haben wir alle.  Klar, wer Perfektionist ist, ist mit 100 Prozent nicht zufrieden, geschweige denn mit 75. Der legt an sich, seine Arbeit, seine Mitmenschen und seine Umgebung ganz besondere Maßstäbe an. Apropos, haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie hoch Ihre eigene Messlatte liegt? Im Coaching gab es diesbezüglich schon manche Überraschungen.

Perfektionisten sind auch nur Menschen...

Auch Psychologen charakterisieren Perfektionismus als eine Persönlichkeitseigenschaft, die sich durch das exzessive Streben nach Höchstleistungen, nach absoluter Makellosigkeit auszeichnet. Aber das ist nur die eine Seite. Auf der anderen Seite neigen Perfektionisten oft ungeheuer zu Selbstzweifeln, leiden unter jedem Fehler fürchterlich und sind gegenüber dem Urteil anderer ganz besonders sensibel.

Manche Perfektionisten sind schwer als solche zu erkennen. Weil sie sich nämlich vor lauter Angst Fehler zu machen unsichtbar machen und sich in unproduktiven Grübeleien verzetteln.

Perfektionismus hat zwei Gesichter

Je nachdem, wie stark die beiden Seiten ausgeprägt sind, entsteht ein Perfektionismus, der dem Glück seiner “Besitzer” nicht im Wege steht – oder eher etwas wie ein dysfunktionaler Perfektionismus, der zu einer Quelle von Stress und Ärger, oft auch von Depressionen und Ängsten wird.

Der funktionale Perfektionismus

Paart sich Perfektionismus zum Beispiel mit Resilienz, können Perfektionisten die Diskrepanz zwischen ihren hohen Erwartungen nicht nur an sich selbst, sondern im Grunde an die ganze Welt, besser aushalten. Solche Perfektionisten sind oft harte Arbeiter, erfolgreich durch ihren Leistungswillen und ihre Leistungsfähigkeit, und in der Regel ganz zufrieden mit ihrem Leben.

Dabei beschreibt das Wort Perfektionismus nur die Haltung, mit der diese Menschen die Dinge angehen. Mit dieser Attitüde lässt sich ein multinationaler Konzern ebenso führen wie ein Haushalt – obwohl die feinen Antennen, die Perfektionisten für das Urteil ihrer Mitmenschen haben, sie heute meist eher in eine konventionell erfolgreiche Richtung drängen.

Der dysfunktionale Perfektionismus

Perfektionismus im Paket mit innerer Unsicherheit – das ist dann eher eine unerfreuliche Kombination. Nagende Unzufriedenheit mit den eigenen, als unzulänglich wahrgenommenen Fähigkeiten, lähmende Sorge, Fehler zu machen und Angst vor dem Urteil der Mitmenschen machen solchen Perfektionisten das Leben oft unnötig schwer.

Gerade ineffiziente Perfektionisten neigen, wenn sie ohnehin schon am Grübeln sind, dazu, die Welt und ihre Mitmenschen im Lichte des eigenen Perfektionismus zu betrachten. Also eher das Patentrezept für Niedergeschlagenheit und Ärger, nicht zuletzt auch mit den Mitmenschen.

Aber warum wird der eine zum Perfektionisten, während der andere (mehr, oder auch weniger) genussvoll alle Fünfe gerade sein lässt? Im nächsten Teil der Serie wird es um die Ursachen von Perfektionismus gehen.

Ihre Coaching Expertin in Berlin

Über die Autorin Esther Kimmel (Coach DCV)

Seit 2009 arbeite ich als Coach in Berlin und habe seither mehr als 500 Coaching­prozesse begleitet. Zu meinen Lieblingskunden zählen Unternehmen sowie Einzelpersonen aus der kommunikativen und kreativen Branche.

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