Die Realitäten der Coronakrise zwingen deutsche Unternehmen derzeit dazu, ihren „Präsenzfetisch“ (wie es eine Kolumne von Bernd Kramer in der Süddeutschen vom 18. März prägnant formulierte) endlich zu hinterfragen.

Viele von uns finden sich in diesen Tagen unverhofft im Homeoffice wieder. Für einige scheint damit zunächst ein langgehegter Traum wahr zu werden... für manche bewahrheitet sich aber auch postwendend genau das Gegenteil.

Denn: Die ersehnte Arbeit in den eigenen vier Wänden ist unter den aktuellen Bedingungen oft eine große Herausforderung und Belastung. Wer allein ist, fühlt sich schnell isoliert und blockiert. Wer seine Homeoffice-Tage hinaus mit der Familie verbringt, muss zusätzlichen Anforderungen gerecht werden: Kinder müssen beschäftigt, beschult und bekocht werden, in der Wohnung herrscht Chaos aufgrund des erhöhten Betriebs, Unsicherheiten und Konflikte müssen in ungewohnter Nähe – oder ungewohnter Einsamkeit – ausgehalten und adressiert werden.

In jedem Fall: Vor allem Homeoffice-Neulinge fühlen sich in den ersten Tagen wie gelähmt und haben Probleme, ihre Aufgaben anzufangen – geschweige denn zu Ende zu bringen.

Eingespielte Routinen und Rhythmen entfallen: der festgelegte Arbeitsbeginn, gewohnte Termine, Pausenzeiten, Feierabend. Ebenso die soziale Kontrolle am gemeinsamen Arbeitsplatz. Die zweckmäßig organisierte Arbeitsumgebung. Plötzlich gilt es, den eigenen Arbeitsalltag eigenverantwortlich zu strukturieren, in einer Umgebung ohne eingebaute Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Die ersten Tage zu Hause vergehen deshalb leicht zwischen Pyjamaparty und schlechtem Gewissen.

Seien Sie gnädig mit sich! Geben Sie sich ein paar Tage! Das macht im Rahmen des allgemeinen Ausnahmezustands den „Kohl auch nicht mehr fett“.

Und dann gehen Sie die neue Situation an. Mit Energie. Und mit den richtigen Fragen:

  • Wie etabliere ich im Homeoffice meinen persönlichen Tages- und Wochen-Rhythmus?
  • Wie schaffe ich es, auch zu Hause Arbeit und Freizeit voneinander abzugrenzen?
  • Wie motiviere ich mich selbst am besten?
  • Wie setze ich klare Prioritäten?
  • Wie gehe ich mit der Nachrichtenflut um?
  • Wie bleibe ich trotz „Social Distancing“ in gutem Kontakt?
  • Wie gehe ich mit meinen Ängsten um?

Es ist mein Beruf, meine Klient*innen dabei zu unterstützen, Antworten auf Fragen wie diese zu finden. Und obwohl mein Arbeitsalltag schon vor der Corona-Krise nicht dem einer typischen Angestellten glich, muss auch ich mehrere dieser Fragen für mich persönlich beantworten.

Hier sind also einige erprobte Ratschläge für uns alle:

Zeitmanagement

  • Halten Sie – idealerweise – den Standard: Angezogen, gefrühstückt, Arbeits- und Pausenzeiten, fester Feierabend. Der Homeoffice-Tag kann durchaus anders aussehen als der Tag im Büro – aber geben Sie ihm eine Struktur.
  • Schreiben Sie am Feierabend eine To-do-Liste für den nächsten Tag.
  • Ein bewährtes Zeitmanagement-Tool ist die sogenannte Pomodoro-Technik: 25 Minuten konzentriert ablenkungsfrei arbeiten, danach 5 Minuten Pause. Nach drei solchen Einheiten (1,5 Stunden) eine halbe Stunde Pause.

Arbeitsplatz

  • Schaffen Sie sich einen Arbeitsplatz, an dem Sie sich möglichst nur zum Arbeiten aufhalten (also nicht Bett oder Sofa): So lässt sich auch Mitbewohnern/Familie klarer vermitteln, dass Sie jetzt beschäftigt sind.
  • Minimieren Sie das Ablenkungspotential Ihrer Arbeitsumgebung (Smartphone außer Reichweite, Social-Media Erinnerungen aus und auch keine Push-Nachrichten).

Kommunikation

  • Registrieren Sie sich bei einem Videotelefonieanbieter und machen Sie morgens ein Check-In mit Ihren Mitarbeiter*innen oder Kolleg*innen, um zu besprechen, was heute zu tun ist.
  • Kommunizieren Sie Mitarbeiter*innen/Kolleg*innen Aufgaben noch klarer als sonst, denn es gibt weniger informelle Möglichkeiten, Dinge nachzufragen. Empfänger der Instruktionen sollten Aufgaben so, wie sie verstanden wurden, noch einmal mit eigenen Worten wiederholen, um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Klären Sie Ihre Zeiten der Erreichbarkeit im Vorfeld ab.

Und jetzt wünsche ich uns allen eine steile Lernkurve und wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse in unseren Homeoffices. Ich bin sicher, dass wir uns gerade in einem spannenden Experiment befinden, das die Arbeitswelt grundlegend verändern kann. Denn skeptische Arbeitgeber (und davon gibt oder können wir bereits sagen gab? es einige) können das Homeoffice zukünftig nicht mit den üblichen Bedenken (geht nicht, haben wir noch nie so gemacht) ablehnen.

Ihre Coaching Expertin in Berlin

Über die Autorin Esther Kimmel (Coach DCV)

Seit 2009 arbeite ich als Coach in Berlin und habe seither mehr als 750 Coaching­prozesse begleitet. Zu meinen Lieblingskunden zählen Unternehmen sowie Einzelpersonen aus der kommunikativen und kreativen Branche.

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