Im vorigen Beitrag ging es um "Stress haben, empfinden oder sich machen". Wenn von Stress die Rede ist, können je nachdem die belastenden Faktoren selbst, unsere Reaktion darauf oder unsere Einstellungen dazu gemeint sein. Jetzt aber mal systematisch!

Stress verursachende Reize

Belastende Faktoren werden Stressoren oder Stressfaktoren genannt. Bei Pflanzen sind Stressoren Reize, die das materielle Überleben des Individuums bedrohen (Dürre, Kälte). Bei sozial lebenden Tieren können dazu Faktoren kommen, die das soziale Überleben gefährden (niedrige Position in der Rangordnung). Und bei uns wirds ganz kompliziert. Auf die Frage, welche Reize beim Menschen Stress verursachen, gibt es eigentlich nur eine Antwort: Potentiell alle. Denn jedes Erlebnis, jeder Reiz passiert zunächst den Filter unserer Bewertung.

Alles kann ein Stressor sein

Und so kann es Menschen geben, bei denen Dinge, die allgemein als wünschenswert gelten – sagen wir eine fröhliche Gesprächsrunde, ein Aufstieg auf den Eiffelturm oder ein leckeres Essen – Stress auslösen: In den drei Beispielen nämlich solche mit sozialen Ängsten, Höhenphobie beziehungsweise rund um die Nahrungsaufnahme angesiedelten Besorgnissen. Und es gibt Menschen, die sich offenbar in Situationen, die für andere Stress pur wären, erst richtig wohl fühlen. Zum Beispiel Reinhold Messner!

Aber die Wahrheit ist natürlich auch, dass es viele Stressoren gibt, über die weitgehender Konsens herrscht: etwa verlorene Brieftaschen (mit allen Dokumenten!), Prüfungen, Deadlines, Ärger mit den Kollegen.

Körperliche Stressoren

Eine Sonderrolle spielen dagegen körperliche Stressoren: Schmerzen, Hunger, Lärm oder extreme Temperaturen lösen in aller Regel körperliche und emotionale Stress-Reaktionen aus. Aber auch dieser Zusammenhang ist beim Menschen nicht in Stein gemeißelt: Selbst diese eigentlich unzweideutigen Reize müssen nicht unbedingt Stressoren sein – ihre Beherrschung und Um-Bewertung ist möglich.

Was macht den Reiz zum Stressor?

Psychologen werden Ihnen sagen, dass ein Reiz dann zu einem Stressor wird, wenn es eine Diskrepanz zwischen den (direkt oder indirekt durch die Situation) an Sie herangetragenen Forderungen und Ihrer wahrgenommenen Bewältigungskompetenz gibt. Wenn Sie den Reiz als eine Bedrohung für Ihr Selbst werten. Dabei kann es sich um eine ganz unmittelbare Bedrohung Ihres Lebens ebenso handeln wie um eine Bedrohung Ihres wohl gehüteten Selbstbildes – und um alle Nuancen dazwischen.

Ob Sie einen Reiz als Bedrohung werten oder nicht, liegt mehr oder weniger in Ihrer Hand. Die Möglichkeit der Um-Bewertung ist allerdings für Stressgeplagte zunächst nur eine theoretische. Aber man kann daran arbeiten, sie zu einer wesentlich weniger theoretischen zu machen. An diesem Punkt möchte ich Ihnen das Buch “Gelassen und sicher im Stress” von Gert Kaluza empfehlen, mit dem ich auch im Coaching gern arbeite.

Im nächsten Beitrag wird es um körperliche und emotionale Stress-Reaktionen gehen – gerade unser Körper lässt sich da nämlich (leider) eine Menge einfallen.

Ihre Coaching Expertin in Berlin

Über die Autorin Esther Kimmel (Coach DCV)

Seit 2009 arbeite ich als Coach in Berlin und habe seither mehr als 500 Coaching­prozesse begleitet. Zu meinen Lieblingskunden zählen Unternehmen sowie Einzelpersonen aus der kommunikativen und kreativen Branche.

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