In meinem vorletzten Beitrag zum Umgang mit Stress geht es um die Stressverstärker. Sie sind die Antwort auf die Frage, warum bestimmte Herausforderungen für den einen zum Stressor werden, während sie beim anderen nicht die Spur einer Stressreaktion hervorrufen.

Unsere persönlichen Haltungen, unsere Ansprüche an uns selbst, unsere Bewertungen und Motive sind entscheidend dafür, wie wir eine Situation erleben.

Eine Handvoll Stressverstärker

Stressverstärker sind meist ganz normale Motive, die jeden mehr oder weniger antreiben. In Form übersteigerter Ansprüche an sich selbst können sie das eigene Leben richtig stressig machen.

Sei perfekt! – Der Wunsch nach Erfolg
Sei beliebt! – Der Wunsch, von allen gemocht zu werden
Sei unabhängig, halte durch! – Der Wunsch nach Autonomie und Unverletzlichkeit
Sei vorsichtig, behalte die Kontrolle! – Misstrauen, der Wunsch nach Kontrolle

In seinem Buch “Gelassen und sicher im Stress” identifiziert Gert Kaluza ein fünftes stressverstärkendes Motiv, das ein bisschen aus der Reihe tanzt – das Schonungsmotiv. Wer sich selbst immer wieder davon überzeugt, schonungsbedürftig zu sein, wessen Gedanken darum kreisen, was er/sie alles nicht kann und nicht schafft, der/die ist unweigerlich gestresst, wenn das Leben mal ein bisschen turbulent wird.

Was vermuten Sie ist wohl Ihr Stressverstärker Nummer Eins?

Stressverstärker sind ein Teil von uns

Wir sehen die Welt durch die Brille unserer Einstellungen. Und diese Brille wiederum ist größtenteils das Produkt unserer Erfahrungen. Erlebnisse in der Kindheit haben sie besonders geprägt, und die “Optik” der Brille ist ein so fester Bestandteil unseres Selbst, dass wir sie oft nicht als Ausdruck prinzipiell veränderbarer Einstellungen wahrnehmen. Sondern als Wahrheit und die einzig mögliche Art, die Dinge zu sehen.

Bei anderen fällt uns dann eher auf, dass die Nachbarin beispielsweise dazu neigt, alles als persönlichen Angriff zu sehen. Dass der Chef nicht delegieren kann. Dass die Freundin von einem fast besorgniserregenden Durchhaltewillen getrieben durchs Leben pflügt. Solche stressverstärkenden Haltungen und Lebens-”Strategien” können wir an uns selbst bemerken, wenn wir ein bisschen Abstand gewinnen.

Wozu das Ganze?

Erfolg, Beliebtheit, Unabhängigkeit sind in unserer Gesellschaft hoch angesehen. Wer ganz nomal “mitmachen” möchte, wird sich zumindest in Teilen von diesen Motiven leiten lassen – und das ist auch vollkommen richtig so. Trotzdem lohnt es sich für alle Gestressten, mal einen Schritt zurückzutreten, persönliche Motive zu identifizieren und zu hinterfragen. Wozu wir zum Beispiel diesen Erfolg, für den wir uns so enorm abrackern, eigentlich brauchen, ist uns nämlich oft selbst nicht klar.

Eine stressverstärkende Optik als solche zu erkennen, ist der erste Schritt zu weniger Stress. Selbst wenn man sich dafür entscheidet, sie zu behalten. Bereits die bloße Erkenntnis ist hilfreich, den Stress für Ihre Ziele sozusagen zu instrumentalisieren.

Mehr Gedanken und Tipps zum Stressmanagement lesen Sie im letzten Teil meiner Serie, pünktlich zum 1. Mai.

Ihre Coaching Expertin in Berlin

Über die Autorin Esther Kimmel (Coach DCV)

Seit 2009 arbeite ich als Coach in Berlin und habe seither mehr als 500 Coaching­prozesse begleitet. Zu meinen Lieblingskunden zählen Unternehmen sowie Einzelpersonen aus der kommunikativen und kreativen Branche.

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