Hohe persönliche Standards sind absolut nichts Schlechtes. Seine Sache gut machen – das sollte eigentlich jeder wollen. Trotzdem misst nicht jeder seinen Wert an äußeren Leistungen, und es gibt viele Menschen, die sich Fehler und Misserfolge problemlos verzeihen können. Was macht denn nun den Perfektionisten zum Perfektionisten?

Der angeborene Perfektionismus

Ein hohes Bedürfnis nach Organisation und Ordnung kann tatsächlich angeboren sein, eine Eigenschaft unserer Gehirns, die zum Beispiel mit einem besonderen Sinn für Strukturen und Zusammenhänge, oft auch mit hoher Intelligenz, einhergeht, und die uns Unordnung und Schlamperei einfach als hässlich empfinden lässt. Nicht allzuviele Menschen haben diesen angeborenen Sinn – wie der Blick in ein typisches Teenagerzimmer beweist. Aber einige eben schon.

Der erworbene Perfektionismus

Die andere Ursache sind – natürlich – wieder einmal die Eltern. Eltern, die besondere Leistungen von ihren Kindern erwarten, die ihre Anerkennung ganz oder teilweise von diesen Leistungen abhängig machen, deren Kritik häufig und gefürchtet, und deren Lob sparsam dosiert und ersehnt ist, erziehen ihre Kinder häufig zu Perfektionisten. Wer in der Kindheit gelernt hat, dass Liebe und Anerkennung immer mit Leistung verknüpft sind, wird auch als Erwachsener kaum glauben, das man einfach um seiner selbst willen geliebt und gemocht werden kann.

Die extremen Ansprüche an sich selbst, die Perfektionisten zu Höchstleistungen treiben, sind oft die internalisierten Ansprüche ihrer Eltern.

Perfektionismus und Unsicherheit

Wer glaubt, dass quasi die Welt untergeht, wenn das Design der Webseite nicht hundertprozentig perfekt ist, wer sein Leben praktisch für verpfuscht hält, wenn dieser oder jener große Erfolg ausbleibt – der ist wahrscheinlich innerlich sehr unsicher. Wer unbedingt die feste Kontrolle über jeden Aspekt seines Lebens vom perfekten Job über die perfekte Ernährung bis zum perfekten Kind haben muss – der fühlt sich vielleicht in Wahrheit bedroht von einer als feindlich und unberechenbar wahrgenommenen Welt.

Überraschenderweise stecken gerade hinter dem Perfektionismus gar nicht selten Angst, Unsicherheit und innere Leere. Entsprechend leiden Perfektionisten auch häufiger an Depressionen, Zwangs- oder Angststörungen als Menschen, die ihre eigene Unvollkommenheit leichter aushalten können. Dabei ist es nicht der Perfektionismus, der den Perfektionisten in die Depression treibt – sondern beide haben eine gemeinsame Wurzel in der persönlichen Geschichte.

Nicht jeder Perfektionist balanciert am Rande der Depression. Aber jeder Perfektionist kann nur gewinnen, wenn der innere Kritiker zumindest zeitweise auf (annähernd) Normalmaß schrumpft. Und genau davon handelt mein nächster Beitrag.

Ihre Coaching Expertin in Berlin

Über die Autorin Esther Kimmel (Coach DCV)

Seit 2009 arbeite ich als Coach in Berlin und habe seither mehr als 500 Coaching­prozesse begleitet. Zu meinen Lieblingskunden zählen Unternehmen sowie Einzelpersonen aus der kommunikativen und kreativen Branche.

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