Sie schöpfen Ihre Möglichkeiten bis ins Letzte aus und leben am Rand des Machbaren. Trotzdem sind Sie mit Ihrer Bilanz nicht zufrieden. Bedeutet das zwangsläufig, Sie sind Burnout-gefährdet? Das sprichwörtliche "Leben in vollen Zügen" würde wohl niemand als Burnout-Risiko benennen.

Im ersten Teil der neuen Serie zum Burnout-Syndrom habe ich es bereits umrissen: Die Technologien, denen wir uns anvertraut haben, haben unseren Alltag vollkommen verändert. Auch am Wochenende E-Mails beantworten, im Urlaub am Handy Arbeitsbelange organisieren - das ist für viele heute selbstverständlich. An den Zwang, ständig auf neue Informationen zu reagieren, kann man sich psychisch so gewöhnen, dass die Leere eines unverplanten freien Tages oder auch nur eines ausgedehnten Funklochs ein fast panisches Gefühl auslösen kann.

Die einen halten Burnout für eine Modediagnose, die anderen für das definierende psychische Leiden der Leistungs- und Informationsgesellschaft. Im ICD, dem verbindlichen internationalen Diagnosekompendium der WHO, taucht das Burnout-Syndrom (noch) nicht als Erkrankung auf. "Nur" eine Erschöpfungsdepression - oder eine eigenständige Krankheit der Psyche? Die Fachwelt ringt um Einverständnis hinsichtlich Definition und Diagnosekriterien.

Die New Yorker Unternehmensberatung Mercer hat sich unter anderem mit ihrem regelmäßigen Metropolen-Ranking unter dem Gesichtspunkt der Lebensqualität einen Namen gemacht (den ersten Platz hat seit Jahren Wien abonniert). Hochinteressant sind auch die Ergebnisse der unter dem griffigen Titel "What's working" durchgeführten globalen Studien zum Thema Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit. Für die letzte Studie dieser Art wurden rund 30.000 Angestellte aus sieben europäischen und zehn außereuropäischen Ländern befragt

Das hat sich auch die US-amerikanische Unternehmensberatung Bain gefragt und hat in einer Studie zum Zeitmanagement "Managing Your Scarcest Resource" untersucht, womit Führungskräfte von 17 amerikanischen Unternehmen vom Teamleiter bis zum Vorstand ihre Arbeitszeit verbringen. Fast ein ganzer Arbeitstag pro Woche wurde demnach auf E-Mails verwendet, und mehr als zwei Tage auf Sitzungen und Konferenzen.

Heute geht die fünfteilige Serie zum Gesunden Führen zu ende mit einem Thema, das für viele Führungskräfte Fluch und Segen zugleich ist. Entscheidungen treffen. Eine internationale Studie hat vor einigen Jahren ergeben, dass sich die Deutschen von ihren Chefs vor allem eines wünschen: sichere Entscheidungen treffen und durchsetzen. Aber warum drücken sich auch selbstbewusste Führungskräfte so häufig um längst fällige Entscheidungen?

Jeder von uns hat es sicherlich schon erlebt. Eine Rückmeldung auf die eigene Person, im positiven wie im negativen Sinne. Mir kommt gerade ein Erlebnis in den Sinn, das schon viele Jahre zurück liegt und über das ich heute glücklicherweise schmunzeln kann (mein damaliger Chef hoffentlich auch). Es war an einem Freitag als er mir zurief „Holen Sie mir doch bitte mal den Ausdruck aus dem Drucker, aber erschrecken Sie nicht über den Inhalt."

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