Machen Zeitmanagementmethoden wirklich Sinn?

Morgens immer früher aufstehen, abends Extrazeit anhängen – und trotzdem nicht fertig werden; keine gemeinsamen Termine unter Freunden finden, weil alle ständig ausgebucht sind: Viele von uns kennen das! Wir leiden darunter, dass es nie genug Zeit zu geben scheint – aber wir tun auch nicht viel, um das zu ändern. Und ein Stück weit messen wir wohl sogar unseren Selbstwert daran, wie beansprucht wir sind.

Zeitmanagement – Verwaltung des Mangels?

Als Business-Coach habe ich natürlich etliche Seminare zum Thema Zeitmanagement besucht, um meine Kunden hier bestmöglich unterstützen zu können. Eisenhower-Prinzip, ALPEN-Methode, ABC-Analyse, Pareto-Prinzip: Die dort vorgeschlagenen Definitionen und Methoden klangen nicht schlecht, passten vermutlich auch perfekt zu den Dozenten, die sie unterrichteten – aber leider oft ganz und gar nicht zu meinen Kunden. Sind meine Kund*innen vielleicht ein sehr ungewöhnlicher Menschenschlag? Ich denke, es liegt eher daran, dass jeder von uns einfach seinen eigenen Arbeitsstil hat. Und ein Stück weit vielleicht auch daran, dass das Erstellen aufwändiger Listen bzw. das Sortieren von Aufgaben in Kategorien nach Priorität und Dringlichkeit für viele Menschen nicht wirklich eine praktikable Erleichterung im Arbeitsalltag sind. Sondern tendenziell sogar eher neue, unproduktive Punkte auf der täglichen To-Do-List.

Die Idee des Zeitmanagements ist fast untrennbar mit der Wahrnehmung von Zeitknappheit verknüpft. Ob wir uns nun unorganisiert abhetzen oder hübsch nach Prioritäten geordnet, ändert nichts daran, dass uns das Gehetztsein als solches nicht gut tut.

Zeitmanagement ist Selbstmanagement

Wir müssen lernen umzudenken, denn strenggenommen ist Zeitmanagement eher Selbstmanagement – die Uhr tickt schließlich immer gleich schnell. Tatsache ist, dass jeder Mensch so viel Zeit hat, wie er sich nimmt. Das Gefühl von Zeitmangel liegt – wie so häufig – an unserer Haltung zum Thema Zeit. Zeitmanagement ändert daran nicht grundsätzlich etwas. Eher im Gegenteil.

Wie wäre es, wenn wir statt in Dimensionen von Zeitmangel in Dimensionen von Zeitfülle oder Zeitwohlstand dächten? Das wäre wirklich mal innovativ.

„Wir haben doch keine Zeit“ – Zeitfülle statt Zeitmangel

Probieren Sie es aus. Sagen Sie sich: „Ich habe Zeit“ statt „Ich habe keine Zeit“. Solange wir leben, haben wir Zeit. Es liegt im Auge des Betrachters, ob das Glas halb voll oder halb leer ist – ob wir Zeitmangel oder Zeitfülle erleben. Wenn wir uns dazu bringen, Zeitfülle zu sehen, gelingt uns auch ein Zeitmanagement, das mehr ist als ein strukturiertes Abhetzen.

Mit anderen Worten: Es geht nicht darum Methoden zu finden, wie ich möglichst viel in möglichst kurzer Zeit erreichen kann. Sondern darum, zu wissen, was mir wichtig ist. Dazu passt auch ganz gut mein Artikel zu Ikigai, dem japanischen Synonym für das, wofür es sich zu leben lohnt.

Ändern Sie Ihre Denkgewohnheiten

Am Ende entscheiden Sie, welchen Glaubenssatz Sie füttern möchten:

Ich habe keine Zeit, weil ich so wichtig bin.

oder

Ich nehme mir Zeit, weil ich mir wichtig bin.

Mit anderen Worten, mit der richtigen Denkweise sind Ihnen zeitlich keine Grenzen gesetzt. Es liegt an Ihnen, wie viel Arbeit Sie erledigen wollen. Sie müssen nur wissen, wie Sie die Zeit, die Ihnen gegeben ist, nutzen wollen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Dinge nicht so lange brauchen, wie wir immer denken – sondern exakt so lange, wie wir ihnen Zeit einräumen.

Zum Beispiel Präsentationen. Die können ewig erarbeitet und feingeschliffen werden. Wenn ich mir aber vorher ein Zeitfenster setze, dann laufe ich auch keine Gefahr, dass die Aufgabe ausufert. Ähnlich halte ich es mit Blogartikeln; hier könnte man auch ewig feilen. Aber mir ist dieser Blogartikel zwei Stündchen wert, und dann muss es auch gut sein.

Beginnen und am Ball bleiben

Und noch etwas: Natürlich gibt es Menschen, die grundsätzlich ein Thema haben mit dem rechtzeitigen Erledigen von Arbeiten. Die Aufgaben vor sich herschieben und aus einem ständigen Schuldgefühl heraus dann andere Dinge nicht genießen können. Das hat aber in der Regel nichts mit realem Zeitmangel zu tun – sondern eher mit der eigenen Haltung, mit Glaubenssätzen zum Thema Arbeit.

Ich habe schon viele Klient*innen dabei unterstützt, Dinge rechtzeitig anzufangen, dranzubleiben, sich weniger abzulenken und gnädig auf Erreichtes zu schauen, statt sich ständig schuldig und unzulänglich zu fühlen. (Mehr dazu in meinem Blogartikel über Prokrastination.) Der Schlüssel liegt im aktiven Gestalten und Steuern. Darin, die Zeit als Freund und nicht als Feind zu begreifen.

Ein praktischer Tipp – Zeitmanagementmethode

Womöglich sind Sie jetzt enttäuscht – Sie haben nach einem Zeitmanagement-Tool oder einem guten Buch zum Thema gesucht. Und hier komme ich und fordere Sie auf, die ganze Idee zu hinterfragen…

Hier ist noch ein nützliches kleines Tool: die Pomodoro-Technik. Sie funktioniert für jeden und kommt ganz ohne Listenmachen und Vorüberlegungen aus. Alles, was Sie brauchen, ist eine Uhr oder ein Küchentimer (aber natürlich gibt’s die Methode auch als Zeitmanagement-App): Egal, was Sie tun müssen – tun Sie es 25 Minuten lang möglichst konzentriert. Danach machen Sie fünf Minuten Pause. Im Groben war’s das eigentlich schon – es gibt nichts Besseres, um Dinge anzupacken und durchzuziehen.

Sie möchten das Thema Zeit(management) im Rahmen eines Coachings zum Thema machen? Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht oder Ihre Terminbuchung in meinem Onlinekalender für ein erstes Kennenlernen.

Ihre Esther Kimmel

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Esther Kimmel Führungskräfte Coach

Als zertifizierter Coach mit 25 Jahren Berufserfahrung berate ich seit 12 Jahren Menschen in verantwortungsvollen Positionen. Mit über 750 erfolgreich abgeschlossenen Coachingprozessen bin ich Expertin für alle Fragen rund um die Themen Führung, Karriere und Resilienz.

#analytisch #pragmatisch #empathisch

Ich habe mich entschieden auf meiner Website zu siezen, auf Wunsch können wir uns aber auch gerne duzen.

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